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14. November 2007

Bienen im Flug

»Bienen im Flug«
Foto: Verena N.

© pixel-vun / PIXELIO

Bienenvolk

Totalitarismus im Bienenstaat – Arbeit, Müßiggang und Fortpflanzung

Die Führungskraft ist weiblich, die Memmen sind männlich, emsiges Fußvolk umhegt den weiblichen Weisel und pflegt die männliche Drohne – solange sie nützlich ist.

Ein Insektenstaat funktioniert nur auf den ersten Blick wie ein erstrebenswertes Staatsgebilde. Alle menschlichen gesellschaftlichen Wertvorstellungen werden durch soviel instinktgesteuerten Absolutismus auf den Kopf gestellt. Die Tiere funktionieren wie ein einziger Organismus aus Haupt und Gliedern.

Bienen sind staatenbildende Insekten. Diese Form des Zusammenlebens gibt es nur bei Insekten. Solche Staatsgebilde sind streng und unumstößlich organisiert. Das entscheidende Merkmal eines Insektenstaats ist die Fortpflanzung durch ein eigens dafür bestimmtes Geschlechtswesen. Die geschlechtliche Reproduktion obliegt allein der Königin.

 

Heinz Sielmann

»Drei Viertel aller Blütenpflanzen werden von Hummeln, Bienen und Wespen bestäubt.«

Das Leben der Hummeln (1989)

Die Königin legt lebenslang Eier, während dem Volk die Brutpflege zufällt. Die Einzelwesen verstehen sich nicht als Individuen mit eigenem Überlebens- und Fortpflanzungsbedürfnis, sondern als Teil des Ganzen – das einzelne Tier ist für sich genommen weder lebensfähig noch lebenswillig.

Träger des männlichen Erbgutes und einziger Vertreter der Männlichkeit im Bienenstock sind einige wenige Drohnen: Drohnen haben keinen Stachel, werden von den Stockbienen versorgt und gefüttert und dem Hungertod überlassen, sobald sie ihre Aufgabe der Begattung erfüllt haben. Diese für die menschliche Vorstellung entwürdigende Lebensweise scheint der Grund für das falsche grammatische Geschlecht zu sein.

Der Jungfernflug der jungen Königin, der von ihrem Gefolge und den Drohnen begleitet wird, dient einzig der einmaligen Begattung. Danach hortet sie das Sperma lebenslang. Sie allein »entscheidet« bei der Eiablage, ob schließlich ein männliches Wesen oder ein weibliches herauskommen wird. Dafür ist ein haploider oder diploider Chromosomensatz verantwortlich, den sie offenbar steuern kann. Die Größe der von den »Baumeisterinnen« vorgegebenen Brutzellen vermittelt den »Ammen«, welche Pflege, welches Futter angezeigt ist. Dies ist nicht als Entscheidung oder als Ergebnis einer Abwägung und Überlegung zu verstehen. Solch instinktgebundenes Tun und einer höheren Weisheit des Überlebens geschuldetes Verhalten entzieht sich unserer Kenntnis.

 

Tierlexikon für Kinder

»Honigbienen stammen aus Südostasien. Seit sie vom Menschen als Nutztiere gehalten werden, haben sie sich über die ganze Welt verbreitet. Heute leben weltweit in ca. 52 Millionen Bienenstöcken rund drei Billionen Bienen.«

SWR Kindernetz Oli's Wilde Welt

Ob aus den weiblichen Wesen nun Arbeitsbienen oder einige wenige Nachwuchsköniginnen werden, das erbringen die Stockbienen durch ihre Pflege und Fütterung. Der Bienenzüchter schließlich muss die Jungköniginnen vor ihren Schwestern trennen, denn die »Erstgeborene« – die Erstgeschlüpfte – sticht alle Nachgeborenen, noch benommen und wehrlos, unmittelbar nach dem Schlüpfen tot.

Drohnen sterben nach dem Jungfernflug. Sie sind erschöpft, werden nicht mehr gefüttert oder werden von den Stockwächterinnen vertrieben.

Diese sind rabiat und gnadenlos, weil ihre Aufgabe darin besteht, den Stock auch gegen wehrhafte Räuber wie Wespen zu schützen.

Um den Sammelbienen den »Stress« einer verfehlten Ankunft zu ersparen, werden die Bienenstöcke vom Imker mit farbigen Bildern in Blau und Gelb – das sind die typischen Farben, die Menschen und Bienen übereinstimmend sehen – versehen.

Bienenstock

»Bienenstock«
Foto: Hans-Peter Reichartz

© H.P.Reichartz / PIXELIO

Die Bienenkönigin heißt im Gegensatz zu ihrer weiblichen Natur fachsprachlich der Weisel. Dieser Name ist alt. Im Mittelhochdeutschen lautete er bereits wisel, Anführer, Oberhaupt des Bienenvolkes. Dies wird damit begründet, dass man sie angeblich für ein männliches Wesen hielt. Das deutlich in seiner Größe hervorgehobene Tier galt als Herrscher des Bienenvolkes, ihm wurde die Aufgabe zugeschrieben, den Weg zu weisen, Weisung zu geben. Es ist jedoch nur schwer vorstellbar, dass dieser Umstand von den Imkern verkannt wurde, so als sei hier ein männliches Wesen für die Eiablage zuständig. Ein Imker kann das Leben der Königin beobachten. Sie tut nämlich nichts anderes, als Eier zu legen. Man erkennt deutlich in den Brutwaben die länglich-weißen Eier und schließlich die wachsenden Larven, kleine weiße Maden, die unermüdlich gefüttert schnell dick werden. Die Weiselzellen und die der Drohnen unterscheiden sich in ihrer Größe von den anderen, wie auch die Königin und die Drohne größer werden als die Arbeitsbienen.

Erst, wenn die Zeit reif ist, werden die Zellen mit einem Wachsdeckel versehen, damit sich die Larve ungestört zum geflügelten Insekt verpuppen kann. Dass dieses Stadium der Entwicklung eines Insekts Verpuppung heißt, liegt am unverwechselbaren Aussehen der Tiere in ihrer selbstgeschneiderten Hülle, die sie zur Bewegung unfähig macht. Sie erinnern dann an altertümliche Babypuppen in ihrer Tracht aus festgewickelten Bändern und Luren der Art, wie man früher Babys kleidete.

 

www.suz-mitte.de

»Im Sommer leben in einem einzigen Bienenstock etwa 40.000 bis 70.000 Bienen. Die meisten sind Arbeiterinnen.«

Thema des Monats: Bienen

Jetzt muss man auch Abbitte tun, wenn man die ehedem gefräßigen, müßigen Maden noch einmal betrachtet. Für die Verpuppung bedarf es eines großen Energievorrats, um die enormen Veränderungen zur Umformung von der Larve zum fertigen Insekt zu gewährleisten. Dieses endgültige Stadium des geschlechtlichen Wesens heißt lateinisch Imago, Bild. Darin drückt sich, denkt man etwa an prächtige Schmetterlinge oder Libellen, die Bewunderung für diese Verwandlung aus.

Der Stich einer Bienenkönigin ist – bei aller ihr eigenen »Friedlichkeit« – gefährlicher, giftreicher als der der anderen Bienen. Im Gegensatz zur Wespe, die einen Angriff auf einen Menschen unbeschadet übersteht, bezahlen Bienen ihn mit dem Leben, indem sie den Stachel, genaugenommen den gesamten Stechapparat, einbüßen. Dennoch nehmen sie einen selbstlosen Kampf auf, sobald sie das Gift ihrer Schwestern riechen. Das macht sie so unwägbar und für manche Menschen gefährlich.

Aus diesem Grund war es von jeher ein Anliegen der Imker, besonders der Bienenzüchter, friedliche Bienen zu züchten. Hin und wieder hört man von gefährlichen »Killerbienen«. Das sind eigentlich nur Stämme wilder Bienen, deren Instinkte noch voll ausgebildet sind.

Kultur in Politik – Wirtschaft – Medien
 
 

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