1. November 2007
»Biene«
Foto: martin ostheimer
© martelo / PIXELIO
Mit Bienen und Immen verbindet sich im Gegensatz zu ihren Verwandten, den Wespen, das gemütvolle, anheimelnde Bild einer friedlich summenden, emsigen Schar in Blumen und Bäumen.
Bienen sind Sympathieträger, sprichwörtlich bienenfleißig und fürsorglich. Anders als die schlanktaillierten Wespen mit den schwarz-gelben Warnstreifen, dem aggressiv und nervös schwirrenden Zickzack-Kurs wirken sie niedlich, heimelig und vertraut mit ihrem braunhaarigen Gewand, ihrem warmen Summton und dem rundlichen Körper. So kommt es, dass die kleinen Insekten sogar Vorbild für weibliche Namen wie Imke, Binje und Bienchen sind.
»Summ summ summ,
Bienchen, summ herum.
Sieh, wir tun dir nichts zuleide,
flieg nur aus in Wald und Heide ...«
Kinderlied
Das mittelhochdeutsche Wort imme hatte ursprünglich die Bedeutung Bienenschwarm, damit war also das gesamte Bienenvolk gemeint. Der Name Biene, mittelhochdeutsch bine, weist eine ähnliche Besonderheit auf: Der Imker sprach von den Bienen, dem Bienenvolk, als »der Bien«. Die Geschichte beider Begriffe – Biene und Imme – spiegelt das Charakteristikum staatenbildender Insekten wider, die existentiell und unverbrüchlich an die Gemeinschaft gebunden sind und als Individuen gar nicht wahrnehmbar sind.
Zunächst waren es die Waldimker, die den Honig wilder Bienen erbeuteten. Diese Tätigkeit hat etwas von Sammeln von Waldfrüchten und Jagen von Wild. Dagegen ist die Hausimkerei, das Halten und Hegen, das Versorgen und Ausbeuten von Bienen, eine Kunst, die ein tiefes Verständnis für die Lebensweise dieser eigentümlichen »Haustiere« erfordert. So formuliert Max Frisch »Er hatte das freundliche Gesicht eines Bienenzüchters«. Der Imker muss nämlich äußerste Gelassenheit und Ruhe walten lassen, um inmitten eines Schwarms – das ist etymologisch verwandt mit Wolke – von Bienen zu hantieren.
»Die unverdroßne Bienenschar
Fliegt hin und her, sucht hier und da
Ihr edle Honigspeise. ...«
Geh aus, mein Herz
Der Name des Imkers, des Bienenvaters oder Zeidlers, wie er auch mancherorts heißt, setzt sich zusammen aus Imme und mittelniederdeutsch kar, Korb, Gefäß – damit ist der Bienenkorb gemeint, der früher als Stock zum Ort des zu erwartenden Ertrages, der »Tracht«, getragen wurde.
Bei ihrer Sammeltätigkeit erfüllen die Bienen eine für Pflanzen und Gärtner unabdingbare Aufgabe, die Blütenbestäubung. Bienen sind nämlich »blütenstet«. Das bedeutet, dass sie nicht den Pollen des Löwenzahns zum Apfelbaum tragen, sondern einer Art treu bleiben, bis die Vorräte an Pollen und Nektar erschöpft sind.
»Apfelblüte«
Foto: hagir25
© helga.ulbing@lifetime.at / PIXELIO
Blüten locken zur Bestäubung durch verführerische Farbe, Duft und süßen Nektar. Dazu entsprechen sie mit ihren Kelchen der Anatomie des Insekts und bewirken so das Haften des Blütenstaubs, der Pollen, am haarigen Beinkleid der Hinterbeine. Bienen saugen zunächst den Nektar. Diesen enzymreichen Inhalt ihres »Honigmagens« geben sie bei ihrer Rückkehr von ihren Flügen als Honig den Stockbienen weiter, die ihn in Waben horten und verfüttern. Ebenso werden die eiweißreichen Pollen, die die Sammlerinnen an ihren Beinen als gelbe »Höschen« mitbringen, für die Aufzucht des Nachwuchses benötigt. Die Honig- und Pollenverwahrung in den Zellen der Bienenwaben dient eigentlich der Vorsorge für nahrungsärmere Zeiten.
Die Ausbeutung des Honigs, das »Stehlen« des Ertrags der Bienen, heißt sogar fachsprachlich die »Beute«. Der fürsorgliche Imker und Bienenzüchter ersetzt diese Nahrung durch Futter, eine Art Puderzuckerkuchen. Um seine Bienen vor winterlichem Frost zu schützen, sorgt er mit isolierenden Umhüllungen für Wärme. Die Bienen als selbstloser Insektenstaat helfen sich zusätzlich selbst: Bei Kälte scharen sie sich heftig summend in stets wechselnder Konstellation zu einem Klumpen kleiner Körper um ihre Königin. So erzeugen sie Wärme, die abwechselnd allen zugute kommt. Selbst das Bienenhaus, ein Ort, der nach Wachs und Honig duftet, bleibt so innen stets wohnlich und wohltemperiert.