Frau Simon, im SPIEGEL ONLINE Forum ist der Unterschied zwischen einem Pleonasmus und einer Tautologie diskutiert worden, gibt es pleonastische Tautologien, oder gar tautologische Pleonasmen?
Ihre Pein war auch meine, das gebe ich zu. Falls Sie also den Unterschied ernsthaft erforschen wollen und meine Überlegungen trotz Duden- und Brockhauskonsultation hier erwünscht sind, ich sehe es so: Pleonasmus, das ist eine Beschreibung eines sprachlichen Tatbestandes, wo eine Verdoppelung durch ein sinnverwandtes Wort keinen Erkenntnisgewinn vermittelt. Zum Beispiel "alter Greis, kleine Bach-Trompete". Auch eine Tautologie ist eine rhetorische Figur. Allerdings wird hier durch die Verbindung sinnverwandter Wörter ein veranschaulichender Effekt erzielt, so "brütend-heiß, nackt und bloß, du bist kälter noch als Eis". Falls Sie aber nach einem Wort suchen, das zirkelhaftes Sich-selbst-erklärendes meint: Ich halte da den Begriff selbstreferentiell für akzeptabel.
Sprache wandelt sich, doch Regeln sorgen für bessere Kommunikation. Die "Zwiebelfisch"-Kolumne von SPIEGEL ONLINE spießt seltsame Blüten und krasse Fehler des täglichen Sprachgebrauchs auf. Wie beurteilen Sie diese Kolumne?
Der Zwiebelfisch findet meine Anerkennung. Er thematisiert Aspekte, die auch mir schon immer Ungemach und Freude bereiteten. Wie können wir Sprache pflegen? Wir müssen uns beschäftigen, wir müssen wählen und verwerfen, wir müssen mit Sprache bewusst umgehen.
Wir fragen uns, ob deswegen wohl dasselbe wie deshalb bedeutet. Können Sie es beantworten?
Das Lexikon der Synonyme sieht dies folgendermaßen: "deshalb: daher, folglich, so, insofern, demzufolge, deswegen", ich sehe keinen Grund daran zu zweifeln.
Besteht aus grammatischer, syntaktischer und semantischer Sicht ein Grund, ein besser als oder größer als einem besser wie oder größer wie vorzuziehen?
Ich sehe es als semantisch zweifelsfrei an: größer als - genauso groß wie. Die Gradpartikel "wie" in Komparativkonstruktionen legt eine Gemeinsamkeit nahe. Dann kann man doch getrost in "als" ein Signal für ungleiche Grade wahrnehmen. Aber nicht nur der kreative Nichtraucher Goethe, auch der kreative Raucher Thomas Mann haben beides gleichzeitig verwendet: "Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor. - Es ist hier anders als wie zu Hause."
Sie befassen sich gerne mit unregelmäßigen Verben. Ist gelten nicht ein besonders gemeines Verb, denn es verhält sich überhaupt nicht schwach und regelhaft.
Gelten ist nicht gemeiner als andere unregelmäßige Verben. Das hat nichts mit Veraltung zu tun. "Gelten" als Infinitiv kommt einfach selten vor - besonders in kindlicher Sprache, wo gerade "das gildet nicht" beheimatet ist. Kindliche Sprecher bilden ganz folgerichtig daraus den Infinitiv: "gilden".
Schauen Sie sich "sehen - sah - gesehen"
oder "laufen - lief - gelaufen" an.
"Gelten - galt - gegolten"
hat ebenso unregelmäßige Präsensformen wie die beiden anderen Beispiele:
"ich sehe - du siehst ..."
"ich laufe - du läufst ..."
"ich gelte - du giltst ..."